Wachszieher –

ein traditionsreiches Handwerk

Ursprünge der Kerze

Die älteste erhaltene Kerze stammt aus dem ersten Jahrhundert nach Christus und wird in Vaison/la Romaine in der französischen Provence aufbewahrt. Doch die tatsächlichen Ursprünge der Kerze liegen – historisch und im übertragenen Sinne – im Dunkeln. Sicher ist: Die Sehnsucht nach Wärme und Licht trieb schon die Menschen der Frühgeschichte an, sich die Kraft des Feuers zu Eigen zu machen. Von einfachen Feuerstellen über Fackeln führte diese Entwicklung schließlich auch zu den ersten richtigen Kerzen, mit Docht und fester Brennmasse. Doch zwischen diesen frühen Kerzen und den heute bekannten Luxusprodukten liegen 2000 Jahre ständiger Entwicklung.

Der Begriff „Kerze“ leitet sich aus dem lateinischen Begriff „Cereus“ ab, der im 1./2. Jahrhundert ein kurzlebiges Licht mit hohem Wartungsaufwand beschrieb. Schon früh wurde als Brennstoff Bienenwachs verwendet, auch weil das Produkt der „keuschen“ Biene gut in die christliche Symbolik passte. Bis heute müssen insbesondere Altarkerzen einen Mindestanteil an Bienenwachs aufweisen. Da Bienenwachs jedoch teuer war, blieben Kerzen viele Jahrhunderte lang ein Privileg der Kirchen und Fürsten. Nicht selten wurde Bienenwachs als wertvolles Handelsgut verwendet und sorgsam aufbewahrt. Doch trotz seines Wertes hatte Bienenwachs auch seine Nachteile: reine Bienenwachskerzen neigten zum Rußen und Tropfen, ständig musste der Docht gekürzt oder „geschneuzt“ werden. Erst mit der Entdeckung von Paraffin und Stearin im 19. Jahrhundert und der gleichzeitigen Verbesserung der Dochte wurden diese Probleme weitgehend gelöst.

Die schnelle Verbreitung der Kerze in der frühchristlichen Zeit ist vor allem ihrer Nutzung im religiösen Brauchtum geschuldet, insbesondere bei Festen wie Mariä Lichtmess, dessen Wurzeln bis ins Jerusalem des 4. Jahrhunderts zurückreichen. Die Kerze als Symbol für göttliches Licht findet in vielen Kulturen und Religionen Verwendung, und besonders ausgeprägt im Christentum. Seit seiner Einführung als Staatsreligion ist daher der christliche Glaube untrennbar mit dem Gewerbe der Kerzenhersteller verbunden.

Materialien

Historisch wurden Kerzen aus Talg, Pech oder Bienenwachs hergestellt, letzteres ein Material, dessen hohe Qualität auch heute noch geschätzt wird. Im Laufe der Jahrhunderte wurden weitere Rohstoffe entdeckt: So wird heute häufig eine Mischung von Bienenwachs, aus Pflanzenfett gewonnenem Stearin und Paraffin, einem Nebenprodukt der Schmierölherstellung, verwendet. Außerdem kommen, je nach Bedarf, so genannte „Additive“ zum Einsatz.

Jeder dieser Rohstoffe hat ihm eigene Merkmale wie Schmelzpunkt, Viskosität und Härtegrad. Einen „optimalen“ Rohstoff gibt es dabei nicht. Die verschiedenen Merkmale bergen jeweils Vor- und Nachteile, die nur in der Mischung optimal ausgewogen werden können. Daraus erklären sich einerseits die Bedeutung firmeninterner Mischungsgeheimnisse und andererseits der große Nutzen persönlicher Beratung. Denn Kerze ist nun mal nicht gleich Kerze.

Ein häufig übersehener Rohstoff für die Kerzenproduktion ist der Docht. Das richtige Abbrandverhalten der Kerze hat entscheidend mit der Beschaffenheit des Dochtes zu tun. Vorzugsweise wird hier Baumwolle verwendet, um Flach- oder Runddochte (letztere vorwiegend für Bienenwachs- und Altarkerzen) herzustellen. Bei richtiger Herstellung biegt sich der Docht in der Flamme nach außen und brennt unter Sauerstoffeinfluss immer nur um das außen liegende Stück ab. Dadurch wird die Rußbildung so gering wie möglich gehalten. Weitere Kriterien für einen guten Docht sind das gleichmäßige Brennen und weitgehend vermiedenes Nachglühen, ein gutes Aufsaugen des Wachses und die richtige Härte.

Die beschriebenen Rohstoffe für Kerzen werden fast ausschließlich aus dem Ausland importiert. So kommt Paraffin beispielsweise aus dem Mittleren Osten, Malaysia und Südafrika, während der größte Teil der Palmölindustrie, die auch Stearin herstellt, in Indonesien und Malaysia angesiedelt ist. Für die Dochte wird meist ägyptische Baumwolle verwendet. Nur Bienenwachs kommt auch aus europäischen Ländern und aus Deutschland zu uns.

Fertigungsverfahren

Wie die Mischung der Rohstoffe sind auch die Fertigungsverfahren sehr unterschiedlich. Grundsätzlich können Kerzen gezogen, gegossen, gepresst, getaucht, geknetet und gewickelt werden.

Beim Kerzenziehen wird neben den handwerklichen Tätigkeiten eine Zugmaschine verwendet, die einen mehrere hundert Meter langen Dochtstrang kontinuierlich durch ein Wachsbad zieht, bis die gewünschte Dicke erreicht ist. Ähnlich funktioniert das wiederholte Tauchen eines um Metallrahmen gespannten Dochtes in eine Wachsmasse. Beim Gießen hingegen wird der Docht in eine Form gespannt, die dann mit flüssigem Wachs vollgegossen wird.

Preiswerte Kerzen lassen sich durch die Pressung von gekörntem Paraffin (auch als „Granulat“ bezeichnet) herstellen. Qualitativ steht dieses Herstellungsverfahren genau gegenüber dem Kneten von Bienenwachskerzen, welches in reiner Handarbeit geschieht.

In der Heuschmid Manufaktur kommen verschiedenste Herstellungsverfahren zum Einsatz. Dabei ist uns wichtig, dass selbst die maschinellen Vorgänge (beispielsweise für die Herstellung größerer Mengen Opferkerzen) ständig von unseren Wachsziehern überwacht werden. Das Mischen der Wachskomponenten, das Ausgießen, das Schneiden und natürlich die Veredelung mit Motiven werden durch unsere Mitarbeiter von Hand durchgeführt – genau wie die Herstellung unserer Bienenwachs- und Dekorationskerzen. Während wir für einfache Handgriffe und größere Produktionen auch Maschinen einsetzen, üben wir alle für die Qualität entscheidenden Arbeitsschritte nach überlieferten Methoden selbst aus.

Das Ambrowasiegel

Bei all den verschiedenen Materialien und Fertigungsverfahren ist es kaum verwunderlich, dass es gerade in der Qualität oft gravierende Unterschiede gibt. Brennverhalten, Brenndauer, Rauchentwicklung und Geruchsmerkmale geben Aufschluss über die Qualität der Kerze: Brennt die Kerze gleichmäßig ab, ohne zu tropfen oder Ruß und Geruch zu entwickeln, kann von einer hohen Qualität gesprochen werden. Doch in den meisten Fällen tragen die Kunden das Risiko – schlechte Qualität zeigt sich in der Regel erst nach dem Kauf, wenn es zu spät ist.

Darum wurde 1952 von der „Qualitätsvereinigung Deutscher Kerzenhersteller“ das „Gütezeichen Ambrowa“, oder „Ambrowasiegel“ ins Leben gerufen. Das Siegel diente als unabhängige Zertifizierung eines besonderen Qualitätsstandards, insbesondere für Kirchenkerzen. Der Name beruft sich auf den Schutzpatron der Wachszieherzunft, den Heiligen Ambrosius, dessen Abbild auf dem Ambrowasiegel zu sehen ist. In den letzten Jahren sind Gütezeichen wie das Ambrowasiegel weitgehend von Standardisierungsinstrumenten wie der RAL-Norm abgelöst worden. Dennoch verwendet die Heuschmid Kerzenmanufaktur bis heute das Ambrowasiegel als Ausdruck besonderer Qualität und ein Versprechen an unsere Kunden.